ways2go, 1. Ausschreibung (2008)

SmartCountPlus

Automatische Zählung und Modellierung des nichtmotorisierten
Individualverkehrs im Außenbereich

Ziel von SmartCountPlus ist die Schaffung von technisch-methodischen Grundlagen für eine planbare, messbare und nachhaltige Verlagerung des motorisierten Individualverkehrs zu Rad- und Fußgängerverkehr. Entwickelt werden eine neue Technologie für kontinuierliche automatische Zählungen des NMIV sowie neue statistische Modelle im Schnittbereichzwischen Verkehrstelematik und Anwendungen aus der Raum- und Verkehrsplanung.

Das Volumen des nichtmotorisierten Individualverkehrs (NMIV) beschreibt die Anzahl von Fußgängern und Radfahrern pro Zeiteinheit und ist eine Schlüsselmaßzahl zur Evaluierung der Auswirkungen von Infrastrukturverbesserungen, zur Abschätzung von Fußgänger- und
Fahrradfahrerrisiken sowie zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen NMIV und Standortfaktoren. Eine der vielversprechendsten Strategien zur Erhöhung des Umfangs und der Qualität von Daten über das Volumen des NMIV ist der Einsatz automatisierter Zähltechnologien. Existierende automatische Zähltechnologien sind jedoch entweder nur für den Innenbereich wie Einkaufzentren konzipiert, oder können in Außenbereichen nur dort eingesetzt werden, wo geringe Teilnehmerdichten vorherrschen (z.B. Wanderwege,
designierte Fahrradwege). Auf Grund stark variierender Umweltbedingungen wie Regen, Schnee und Lichtverhältnisse sind existierende Technologien für die Zählungen von Fußgängern im urbanen Außenbereich wie Gehsteigen und Kreuzungen nicht geeignet.
Das erste Projektziel von SmartCountPlus besteht in der wesentlichen Erweiterung einer für den Innenbereich entwickelten Zähltechnologie auf Robustheit gegenüber Umweltbedingungen des Außenbereichs. Das technologische Grundkonzept basiert auf einem speziellen „embedded“ System, das mit so genannten neuromorphen optischen Sensoren eine integrierte 3D-Bildverarbeitung auf einem Chip zur Erkennung unterschiedlicher Objekte, deren Verfolgung und Zählungen durchführen kann. Es werden wesentliche Erweiterungen von Verfahren des dreidimensionalen maschinellen Sehens entwickelt, und die integrierte Verarbeitung im Chip vermeidet datenschutzrechtliche Probleme.
Das zweite Ziel von SmartCountPlus ist die Entwicklung fortgeschrittener Verfahren zur statistischen Modellierung erfasster Daten des NMIV-Volumens für Planungsanwendungen. Nach einer umfassenden Anforderungsanalyse unter Einbindung der Unternehmenspartner aus dem Planungsbereich, Interessensvertretern und öffentlichen Bedarfsträgern erfolgt die Konzeption beispielhafter Modellierungen mit Schwerpunkt auf dem Fußgängerbereich.
Beispielhafte Untersuchungen beinhalten die Bestimmung prototypischer Tagesganglinien mit fortgeschrittenenen Clusterverfahren, die Schätzung und Prognose des Verkehrsvolumen durch Vergleichsstudien in einem Aktivitätsgebiet und Untersuchungen zu unterschiedlichen Gehgeschwindigkeiten in Abhängigkeit von Standortfaktoren. Wesentlicher Punkt ist die Entwicklung von multivariaten Modellen unter Einbindung von Wetter- und Planungsdaten. Zusätzlich erfolgt ein Transfer der erfassten Zähldaten und deren Modelle in vorhandene Planungstools, im Speziellen die weit verbreitete Verkehrssimulation VISSIM, für die ab Sommer 2008 erstmalig ein Simulationsmodul für Fußgänger verfügbar sein wird.
Das Projektkonsortium umfasst zwei Forschungspartner und zwei Unternehmen aus dem Planungsbereich (Ziviltechnikerbüros) und bietet mit dem spezifischen Know-How der einzelnen Partner optimale Voraussetzungen für einen Transfer zwischen Verkehrstechnologie- und Planungsanwendungen und damit eine positive Durchführung des geplanten Projektvorhabens und Aufbau einer strategischen Partnerschaft.

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