ways2go, 2. Ausschreibung (2009)

su:b:city

Integrierter Ansatz zur Erhöhung des Radverkehrsanteils im Stadt-Umland-Verkehr (suburbia:bike:city)

Der Anteil des Umweltverbundes am Stadt-Umland-Verkehr ist im typischen österreichischen Ballungsraum signifikant niedriger als der innerstädtische Anteil. Ein großer Anteil dieser stadtgrenzenüberschreitenden Fahrten geht von den Randgemeinden, dem so genannten Speckgürtel, aus, einem Bereich, der innerhalb eines - für den Einsatz von (E-)Fahrrädern sehr interessanten - 5-15 km Radius vom Stadtzentrum liegt. Im Rahmen des Projektes su:b:city (suburbia:bike:city) soll untersucht werden, welcher Radverkehrsanteil am Stadt-Umland-Verkehr durch einen integrierten Ansatz aus Infrastrukturmaßnahmen (hochrangige Radinfrastruktur) und verbesserter Fahrzeugtechnologie (E-Fahrrad) erreicht werden kann.

Standards für hochrangige Radinfrastruktur:
Hochrangige Radinfrastruktur sollte die Funktion im Radverkehrsnetz übernehmen, die heute den Bun-desstraßen im Autoverkehrsnetz zukommt. Ähnlich wie für diese sollten auch für hochrangige Radrouten einheitliche, für ganz Österreich gültige Standards gelten.
Im Rahmen einer breit angelegten Literaturstudie wurden Mindestanforderungen an hochrangige Rad-infrastruktur erarbeitet und Vorschläge für die Parameter Projektierungsgeschwindigkeit, Breite (daraus abgeleitet auch Leistungsfähigkeit), Radien für Kurven sowie Kuppen und Wannen, maximale Steigung und Oberflächenqualität sowie Empfehlungen zu Abstellanlagen gemacht.

Pedelec vs. Fahrrad:
Pedelecs (Pedal Electric Cycles) sind Fahrräder, die zusätzliche Unterstützung durch einen Elektromotor bieten. Bergfahrten und Fahren bei Gegenwind werden damit speziell für wenig trainierte Personen leichter. Sie bieten im Vergleich zum konventionellen Fahrrad höhere Geschwindigkeiten bei gleicher Kraftanstrengung, sind durch Elektromotor und Akku aber auch deutlich schwerer als herkömmliche Fahrräder.
Für su:b:city hat das Projektteam den ExtraEnergy Pedelec-Test 2009/2010 detailliert ausgewertet, mit dem Ergebnis, dass gute Pedelecs im Schnitt eine Geschwindigkeit von 20 km/h ohne Schwitzen, eine Reichweite von 30 km (dann ist ein Aufladen des Akkus notwendig) und einen Unterstützungsfaktor von 100% (Verdoppelung der Tretleistung) bieten. Gute Pedelecs kosten zwischen 1.500 und 4.200 Euro, da-durch bedingt ist auch die Notwendigkeit nach sicheren Abstellmöglichkeiten (Zusatzausstattung Stromanschluss!) höher als bei durchschnittlichen Fahrrädern ohne Elektroantrieb. Die meisten Pedelec-Akkus können ausgebaut und unabhängig vom Rad an der Steckdose geladen werden, was die Handha-bung zB. im Vergleich zu E-Autos deutlich vereinfacht.

Nutzerpotential und Fallstudie:
Ergebnisse aus dem Projekt Landrad in Vorarlberg zeigen, dass Pedelecs zu einer Attraktivierung des Fahrradfahrens führen: Die Fahrleistung der Testpersonen stieg um den Faktor 4, der Umweltverbundanteil (alle Verkehrsmittel außer Pkw) stieg von 46% auf 68%, dh. es wurden größtenteils Fahrten vom Pkw auf das Pedelec verlagert, nur Wenige stiegen vom öV auf das Pedelec um.
Umgelegt auf die su:b:city-Fallstudien-Region Wien und Umgebung ergibt sich auf Basis der Landrad-Daten durch den Umstieg von Pkw auf Pedelec ein Potential von ca. 400.000 eingesparten Pkw-Fahrten - das entspricht 2,0 Mio. Fzgkm bzw. 2,3 Mio. Pkm - pro Jahr.
Ein weiterer Bestandteil der Fallstudie war die Festlegung der Lage einer hochrangigen radialen Radrou-te. Eine Strukturdatenanalyse ergab, dass das größte Nutzerpotential für eine solche Radroute im Süd-westen Wiens liegt. Anschließend wurde der Verlauf dieser Radroute zwischen Mödling und Wien 10 straßenzuggenau festgelegt.

Iso-Energeten-Ansatz:
Mit dem Unterstützungsfaktor aus dem Pedelec-Test kann bereits grob abgeschätzt werden, wie viel größer die Reichweite eines Pedelecs - bei gleichem Einsatz von Körperenergie - im Vergleich zum kon-ventionellen Fahrrad ist. Aufbauend auf diesen Ergebnissen ist es dem Projektteam gelungen, den An-satz weiter zu verfeinern und GIS-unterstützt auf das Straßennetz von Wien und Umgebung umzulegen. Das Ergebnis sind Schaubilder, die zeigen, welcher Einzugsbereich - bei gleichem Körperenergieeinsatz - mit Pedelec bzw. Fahrrad abgedeckt werden kann. Die Umgrenzungslinien der Einzugsbereiche werden als Isoenergeten (Linien gleichen Energieverbrauchs) bezeichnet. Der große Vorteil dieser Methode ist, dass der zugrunde liegende Formelapparat ortsunabhängig ist und für beliebige Netze automatisiert angewendet werden kann.

Evaluierung:
Das Einsparungspotential durch Verlagerung von Fahrten vom Pkw zum Pedelec für die Fallstudienregi-on Wien und Umgebung liegt bei 350 Tonnen Einsparung CO2 im Jahr, das entspricht 93.000 Liter Treib-stoff oder 12.500 km mit einem durchschnittlichen PKW. Der monetarisierte Gesundheitsnutzen durch das Plus an Radverkehr beträgt rund 16 Millionen Euro pro Jahr.

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