Verkehrsinfrastruktur, VIF2012

AUFBRUCH

Analyse und Evaluierung der Folge-wirkungen von Halbanschlussstellen auf dasörtliche Unfallgeschehen

Halbanschlussstellen (HASt) sind Anschlussstellen (Rampen) von Autobahnen oder Schnell-straßen, bei denen man nur aus einer Richtung kommend ab- bzw. in eine Fahrtrichtung auf-fahren kann. In Österreich existieren derzeit ca. 50 Halbanschlussstellen, das sind rd. 10% aller 560 in Betrieb befindlichen Anschlussstellen auf Autobahn- und Schnellstraßen. HASt stellen einen Kompromiss zwischen der Erreichbarkeit von (überörtlichen) Zielen und den Kosten für Errichtung und laufenden Betrieb einer vollwertigen Anschlussstelle dar. Die für Halbanschlussstellen inhärente Nicht-Verfügbarkeit bestimmter Fahrrelationen kann im Betrieb zu unterschiedlichsten (Verkehrs-)Sicherheitsproblemen sowie Einschränkungen für den Personen- und Warenverkehr führen. Erfahrungswerte an bestehenden Halbanschluss-stellen zeigen, dass es unter Umständen auch zu Falschbenutzungen von Rampen kommt. Es existieren jedoch weder belastbare Daten noch sonstige gesicherte Erkenntnisse, die Art oder Umfang negativer Sicherheits- und Verkehrseffekte von HASt hinreichend belegen. Es stehen auch nur in unzureichendem Ausmaß Regelwerke für HASt zur Verfügung, weder hinsichtlich der Kriterien, die für die Grundsatzentscheidung zwischen Halb- und Vollanschlussstellen heranzuziehen sind, noch für die besonderen Erfordernisse von HASt bzgl. der baulichen und betrieblichen Ausstattung. Ziel des Projekts AUFBRUCH ist deshalb die Entwicklung eines Leitfadens für HASt, sowohl was die Planungsphase (Ersterrichtung und Nachrüstung) als auch die Betriebsphase anbelangt. Im vorliegenden Projekt wird ein ganzheitlicher Ansatz gewählt, um in enger Kooperation mit ExpertInnen der ASFINAG die mutmaßlichen Problembereiche zu objektivieren, Lösungs-vorschläge zu erarbeiten und diese in einen Leitfaden zu gießen. Die Methodologie umfasst Literaturscreening und internationale ExpertInnenbefragung, Analyse von örtlichen Unfalldaten, Verkehrsmengen und geografischer und baulicher Charakteristika, Verkehrsbeobachtungen vor Ort sowie netzwerkanalytische Betrachtungen des Einflusses von Attraktivität und (Nicht-)Erreichbarkeit von Reisezielen. Die Analyse der Erreichbarkeitsverhältnisse an Halbanschlussstellen erfolgt u.a. auf der Basis netzwerkanalytischer Verfahren zwischen den an die HASt angebundenen Quellen und Zielen unter Einbeziehung eines digitalen Verkehrsgraphen. Die Klassifizierung der Halbanschlussstellen wird mit verschiedenen multivariaten Analyse-methoden (Clusteranalyse, Diskriminanzanalyse etc.) durchgeführt. Videoaufzeichnungen im Bereich der Anbindung an das niederrangige Straßennetz dienen dazu, etwaiges Fehlverhalten von FahrzeuglenkerInnen in der Orientierungs- bzw. Navigationsphase zu identifizieren und sind in der Regel durch Mängel in der Wegweisung bedingt. Mit einer von AIT und EBE Solutions entwickelten Methode zur anonymisierten Kennzeichenerfassung werden an ausgewählten Halbanschlussstellen Verkehrsströme, Reisezeiten, Zeitlücken, Herkunft (AnrainerIn ja/nein), Benutzungshäufigkeit (täglich/einmalig) einzelner Fahrzeuge sowie Geschwindigkeiten und Abstandsverhalten erhoben und analysiert, um auf Verlagerungseffekte aufgrund der Nicht-Erreichbarkeit bestimmter überörtlicher Ziele rückschließen zu können. Der auf Basis der so gewonnenen Erkenntnisse zu erstellende Leitfaden soll sowohl für betriebliche PraktikerInnen der ASFINAG als auch für PlanerInnen und Entscheidungsträger eine solide Grundlage für die sichere Planung und den Betrieb von HASt bieten.

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