Verkehrsinfrastruktur, VIF2015

AMBITION

Entwicklung eines integrativen Ansatzes zur Messung und Bewertung von EIsenbahn- und STraßenttunNel

Die bisherige Praxis der Zustandsbewertung ist historisch gewachsen und beruht auf dem hoheitlichen Auftrag einer angemessenen Bauwerksüberwachung. In der Vergangenheit, und wahrscheinlich auch zukünftig, wird dabei dem sachverständigen Ingenieur eine tragende Rolle zuteil, da sich die Rahmenbedingungen und Zielsetzungen in den vergangenen Jahren zum Teil massiv verschoben haben. Anlagenbestand und -nutzung sind laufend gewachsen, sodass einerseits eine immer größere Menge an Informationen und Daten zu bewältigen ist, andererseits stellen die erhobenen Daten ein großes Potential dar, um strategische und operative Maßnahmenplanungen daten- und evidenzbasiert entwi-ckeln zu können. Hierfür ist es jedoch notwendig, dass die richtigen Daten objektiv, effizient und ver-wertbar erhoben werden. Diesem Umstand wird die heutige Systematik der Zustandsbewertung nur zum Teil gerecht. Die ent-sprechenden Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (z.B. RVS 13.03.31) sehen zwar ein-heitliche Zustandsnoten für Tunnelbauwerke vor, die Einstufung nach diesen Noten unterliegt jedoch relativ „weichen“ Kriterien, die sehr stark von der subjektiven – wenn auch kompetenten –Einschätzung des meist unter Zeitdruck und widrigen Bedingungen prüfenden Ingenieurs abhängig sind. Ziel des Projekts ist es daher, einen möglichst großen Teil der Datenakquisition zu objektivieren und auf eine vergleichbare und verwertbare Datenbasis zu stellen. Der Ingenieur soll dabei nicht entmündigt, sondern vielmehr unterstützt werden, die Beurteilung von Tunnelbauwerken auf eine objektspezifische Einschätzung der Objektzustände zu fokussieren, als auf eine nur scheinbare standardisierte Schadensdokumentation. Im Pavement Management ist der Grad der objektivierten Datenaufnahme dank des Einsatzeszeitgerechter Technologien und moderner Verfahren der Datenauswertungen sehr weit fortgeschritten. Das Projekt AMBITION strebt auch bei den übrigen baulichen Komponenten von Tunnelbauwerken einen ähnlichen Objektivierungsgrad an. Gerade in den bundesweit agierenden Infrastrukturnetzen von ASFINAG undÖBB ist es essentiell, eine Datenstrukturlandschaft zu entwickeln und zu pflegen, welche fundierte Aussagen und Prognosen über das Asset Portfolio ermöglicht. Nur mit einer adäquaten, standardisierten und objektiven Datenstrukturlandschaft ist es möglich, innerhalb gleicher Asset Klassen, wie z.B. bergmännische Tunnelanlagen, ein konsistentes Asset Health Management (AHM) zu erstellen, das sich den Daten-bestand entsprechend zunutze macht. Wesentliches Ziel des Vorhabens ist es, eine entsprechende Datenbasis zu entwickeln. Diese soll dazu dienen, das AHM zu bedienen, indem sie beispielsweise die geeigneten Parameter für die Ablei-tung von klassenspezifischen Alterungskurven zur Verfügung stellt. Berücksichtigung muss dabei auch die jeweilige Perspektive im AHM finden, je nachdem, ob Fragestellungen z.B. auf Mikro-(Objekt-)Ebene oder Makro-(Netz-)Ebene zu beantworten sind. Großes Augenmerk ist auch auf die Konsistenz im jeweiligen Asset Management der Unternehmen ÖBB und ASFINAG zu legen. Das Vorhaben wird sich auf die baulich-konstruktiven Komponenten im Sinne der RVS 13.03.31 be-schränken. Bei der Entwicklung von objekt- wie netzspezifische Instandhaltungsstrategien sind diese stets auch im Zusammenhang mit den elektromaschinelle Komponenten zu sehen. Die Einbeziehung dieser Anlagenteile, welche sich in der Regel auch durch ein anderes Alterungsverhalten charakteri-sieren und teils völlig unterschiedliche Methoden der Zustandsbewertung bedürfen, würde jedoch den Rahmen des gegenständlichen Vorhabens sprengen.

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