Gütermobilität, MdZ 1. Ausschreibung (2012)

Food4all@home

Flächendeckende Hauszustellung von Gütern des täglichen Bedarfes

Der Kauf von Warenüber Webshops oder mittels mobiler Anwendungen ist in vielen Sortimentsbereichen des Handels – z.B. Bücher, Spielwaren, Elektrogeräte - weit verbreitet. Die Zustellung übernimmt ein Paketdienstleister, die Auftragsdurchlaufzeit beträgt je nach Verfügbarkeit der Waren meist wenige Tage. Dieses„Modell“ auch auf Lebensmittel zu übertragen ist aus mehreren Gründen schwierig, folgende Argumente dienen als Beispiele:
• Lebensmittel sind Artikel des täglichen Bedarfs. Eine Lieferzeit von mehreren Tagen stößt auf Akzeptanzprobleme.
• Frische Lebensmittel bedürfen einer speziellen Kühlung, sie sind daher nur bedingt in die Standardprozesse von Paketdienstleistern zu integrieren.
• Lebensmittel haben meist ein sehr schlechtes Verhältnis zwischen Warenwert und Gewicht/Volumen. Der gesamte Abwicklungsprozess ist daher besonders kostenkritisch.
Die Entwicklung eines Konzepts zur zeitnahen, flächendeckenden und aus der Sicht der KundInnen kostenneutralen Hauszustellung von Lebensmitteln bedarf daher der intensiven Kooperation eines Spezialisten im Bereich Lebensmittel und eines Unternehmens mit der Kernkompetenz der flächendeckenden Hauszustellung. Für das Projekt Food4all@home konnten hierfür der größte regionale Lebensmittelhändler, die Pfeiffer HandelsgmbH (Unimarkt, Nah&Frisch, Zielpunkt) sowie der größte flächendeckende last-mile-Logistiker, die Österreichische Post AG gewonnen werden. Der traditionelle Zugang: „Pfeiffer lagert und kommissioniert die Ware und übergibt das Paket an die Post, die es zu den EndkundInnen bringt“ ist aber weder innovativ noch wirtschaftlich sinnvoll. Nur durch eine symbiotische Nutzung der Prozesse beider Partner kann ein flächendeckendes und zeitnahes Zustellsystem wirtschaftlich betrieben werden. Gerade in dieser engen Kooperation, die über die übliche KundInnen-Dienstleister-Beziehung hinausgeht, liegt der innovative Anspruch von Food4all@home. Die regionale Präsenz von Pfeiffer mit einem dichten Netz an Filialen bildet den Ausgangspunkt. Es werden die Bestellungen in den Unimärkten kommissioniert und in die Zustelltour der PostzustellerInnen dynamisch integriert, wodurch eine Lieferzeit von wenigen Stunden möglich ist. Dies erfordert aber den Eingriff in die standardmäßige Route der ZustellerInnen, was einer engen Verknüpfung der Prozesse und der IT-Systeme bedarf.
Ziel des Forschungsprojektes Food4all@home ist es, die Umsetzbarkeit, die Akzeptanz am Markt sowie die Wirtschaftlichkeit dieses kooperativen Betreibermodells zu prüfen. Zu diesem Zwecke wird ein „Last-mile-simulation-framework“ entwickelt, das es ermöglicht, unterschiedliche Nachfrageszenarien und verschiedene Auftragsabwicklungsvarianten auf detaillierter Prozessebene abzubilden und zu bewerten. Wesentliche Erkenntnisse für eine spätere Realisierung werden nicht nur aus dem Simulation-Framework abgeleitet, sondern stammen auch aus der Analyse eines regional begrenzten Feldversuchs.
Das Projekt Food4all@home bietet Personen mit eingeschränkter Mobilität (z.B. kein Bus, kein Auto, keine Zeit, körperlich nicht mobil) die Möglichkeit, Artikel des täglichen Bedarfs auf bequeme Art und Weise nach Hause geliefert zu bekommen. Es ist daher auch in ländlichen Gebieten möglich die regionale Nahversorgung zu garantieren, ohne Einkaufsfahrten über längere Distanzen in Kauf nehmen zu müssen. Damit leistet das Projekt auch einen wesentlichen sozialen und ökologischen Beitrag.

zurück