Personenmobilität, MdZ 4. Ausschreibung (2014)

coop:mob

Kooperative generationenübergreifende Mobilitätsmodelle im peripheren Raum

Ein kooperatives generationenübergreifendes Mobilitätsmodell wird entwickelt, in dem ein Teilen/Tausch von „Fahrzeugnutzung“ für „Fahrdiensterbringung“ in Form von Naturaldienstleistungen erfolgt. In ländlich-peripheren Gebieten sollen die Mobilitätschancen zweier Bevölkerungsgruppen (Ältere, die nicht mehr selbst fahren wollen/können und junge, eher zahlungsschwache Haushalte mit Kindern) verbessert werden. Mobilitätsressourcen (z.B: nicht genutztes Fahrzeug) und soziale Ressourcen (freie Zeitkontingente / Leistungen z.B. für Einkäufe etc.) werden gebündelt, um die Mobilitätsteilhabe benachteiligter Gruppen auf weitgehend autonome Weise aufrecht zu erhalten. Der „Mobilitätsarmut“ soll damit entgegengewirkt werden. Dis soll die Inklusion dieser Gruppen unterstützen. In einer Modellregion werden Möglichkeiten der Umsetzung dieses sozialen Prozesses (Nutzungspotential, Sicherstellung fairer Bedingungen im Tausch, Organisationsform, rechtliche Rahmenbedingungen etc.) mithilfe qualitativer Methoden erforscht

Speziell in ländlich-peripheren Gebieten mit schlechter ÖV-Erreichbarkeit sind zwei Bevölkerungsgruppen in Bezug auf Mobilitätschancen stark benachteiligt: ältere Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihren PKW nicht mehr nutzen können oder wollen, und jüngere, zahlungsschwache Haushalte mit Kindern, die sich keine adäquate Motorisierung leisten können. Für dieses Problem bieten die derzeit verfügbaren Sharing-Lösungen, alternative Mobilitätsformen oder Modelle sozialer Kooperation alleine keine Lösung. Der demographische Wandel wird dieses Phänomen noch verstärken, vorausgesetzt es finden keine rechtzeitigen Gegenmaßnahmen statt. Die Alterung der Gesellschaft und die zunehmende Motorisierung älterer Menschen (insbesondere Frauen) führen dazu, dass ein beträchtlicher Fahrzeugbestand gebildet wird. Diese Fahrzeuge stünden ab einem gewissen Zeitpunkt potentiell für kooperative Nutzungsmodelle zur Verfügung, da die Fahrzeuge von den BesitzerInnen aufgrund des (sehr) hohen Alters nicht mehr (sicher) genutzt werden können. Das Projektziel von coop:mob ist die Entwicklung eines kooperativen gruppen- und generationenübergreifenden Mobilitätsmodells, in dem ein Tausch von „Fahrzeugnutzung“ für „Fahrdiensterbringung“ in Form von Naturaldienstleistungen zum Vorteil aller Beteiligten erfolgt. Es werden gleichzeitig Mobilitäts- und soziale Ressourcen in Klein- und Kleinstgruppen gebündelt und zum Abbau gruppenspezifischer Mobilitätsbeeinträchtigungen genutzt. Konkreter Use-Case: ein Fahrzeug wird von AkteurInnen aus den bereits beschriebenen mobilitäts-eingeschränkter Gruppen gemeinsam genützt - Personen aus den jüngeren Haushalten übernehmen Fahrtendienste (z.B. Personentransporte, Einkäufe oder Bring- / Holdienste) für die älteren Personen und im Gegenzug steht ihnen das Fahrzeug auch für ihre eigenen Mobilitätsbedürfnisse zur Verfügung.

Das Modell weist einen sehr hohen Grad an Autonomie auf, da es nicht oder nur in geringem Ausmaß auf einem Engagement von Gebietskörperschaften bzw. der öffentlichen Hand basiert, sondern stattdessen auf endogene Ressourcen in der Bevölkerung setzt. Menschen sollen dazu motiviert werden, ohne finanzielle Gewinnabsicht dauerhaft zu kooperieren. Wesentliche Herausforderung: die Umsetzung des Modells als sozialen Prozess (Anfreunden mit Neuem und Ungewöhnlichem, Abbau von Barrieren, Voraussetzungen für Vertrauensaufbau, praktikable Organisation/Betreibermodelle, rechtliche Notwendig-keiten/Versicherung, etc.). Angestrebte Erkenntnisse ergeben sich aus der Beantwortung zentraler Forschungsfragen, etwa nach dem Nutzungspotential, der Sicherstellung fairer Bedingungen im Tausch, Organisationsform, u.v.m. Das coop:mob Mobilitätsmodell soll im Rahmen eines Demonstrationsvorhabens in einem österreichischen Testgebiet prototypisch umgesetzt werden, wobei die dabei gewonnen Erkenntnisse zur Verfeinerung des Modells genutzt werden sollen. Die kritischen Erfolgsfaktoren, wie auch die grundsätzliche Organisation des Kooperationsprozesses werden in Form eines Leitfadens und weiteren Disseminationstools für eine breite Umsetzung nutzbar gemacht.

Im Unterschied zu verwandten Initiativen werden mit coop:mob bestehende Mobilitätsdefizite nicht durch Beschaffung zusätzlicher Mobilitätsmittel gelöst, sondern durch bessere Nutzung vorhandener Ressourcen. Der Modellansatz basiert damit weitgehend auf ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitsprinzipien.

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