Personenmobilität, MdZ 4. Ausschreibung (2014)

PHOBILITY

Verkehrsteilnahme von Menschen mit psychischen Erkrankungen, insbesondere Phobien, Angst- und Zwangsstörungen

In der PHOBILITY-Studie wird erstmals inÖsterreich die Verkehrsteilnahme von Menschen mit Phobien, Angst- und Zwangsstörungen im Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr untersucht. Es werden die physischen, psychischen und sozialen Barrieren für eine gleichberechtigte Verkehrsteilnahme erforscht (z.B. Angst vor Überfüllung, Stigmatisierung, Rücksichtslosigkeit, Eindringen in die körperliche Intimsphäre durch Stoßen etc.). Die PHOBILITY-Studie erarbeitet erstmals gemeinsam mit Gesundheitseinrichtungen und Verkehrsbetrieben eine Grundlage für spätere, innovative Verkehrskonzepte für diese stark steigende Zielgruppe.

Ausgangslage:
17% der Frauen und 15% der Männer leiden in Österreich speziell an depressiven Symptomen bzw. Angstzuständen, Mehrfachdiagnosen und Wechselwirkungen zwischen den Erkrankungen sind Normalität (Katschnig, 2003). Menschen aus niedrigeren Bildungs- und Einkommensschichten sind durchschnittlich häufiger betroffen und über 18% der Invaliditätspensionen in Österreich resultieren aus psychischen oder psychiatrischen Leiden. Die Anzahl der Krankenstandstage aufgrund psychischer Erkrankungen hat sich seit 2000 verdoppelt (Statistik Austria, 2013). Die Barrieren in der Verkehrsteilnahme in dieser demografischen Gruppe sind enorm, etwa die Nicht-Erreichung von Therapieeinrichtungen, Fehlen eines PKWs, Angst vor Menschenmengen etc. Diese Probleme verlangen nach einer unmittelbaren Reaktion. Die PHOBILITY-Studie reagiert auf diese drängende demografische Entwicklung und ist als Querschnittsprojekt der Mobilitäts- und Gesundheitsforschung zu verstehen. Die Studie untersucht erstmals in Österreich die Barrieren in der Verkehrs-teilnahme einer in der Mobilitätsforschung bisher noch vernachlässigten Bevölkerungsgruppe der Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dazu braucht es ein interdisziplinäres Projektteam: Sozialforschung (MAKAM), Verkehrsplanung (TU Wien) und Gesundheitseinrichtung (Psychosoziale Zentren PSZ).

Forschungsfrage und Methode:
Die Forschungsfrage, die in PHOBILITY beantwortet wird, lautet: Wie kann die Verkehrsteilnahme von Menschen mit psychischen Erkrankungen, insbesondere im öffentlichen und im Individualverkehr beschrieben werden? (Sondierung von Bedarfslagen und aktiven Mobilitätsformen)? Das Konsortium erarbeitet die Frage mittels case studies mit Menschen mit psychischen Erkrankungen (20 Einzelinterviews und Wegbegehungen/mobile methods, insbesondere walk-alongs und walk-afters), mit 3-5 Fokusgruppendiskussionen in Therapieeinrichtungen und Selbsthilfegruppen und 7-10 ExpertInneninterviews und 2 Workshops gemeinsam mit Verkehrsbetrieben und Gesundheitseinrichtungen.

Erwartete Ergebnisse:
Die PHOBILITY-Studie bringt zwei detaillierte Studienberichte hervor: einen qualitativen Studienbericht über die Ergebnisse der case studies mit sondierten Bedürfnissen der betroffenen Bevölkerungsgruppe und aufbereiteten, strukturierten Barrieren im Verkehr (PHOBILITY-Studienbericht 1), einen ExpertInnen-Studienbericht mit sondierten Bedarfslagen der Gesundheitseinrichtungen und dem aktuellen Bedarf, den die VerkehrsanbieterInnen sehen (PHOBILITY-Studienbericht 2). Das Endprodukt der Sondierungsstudie stellen Handlungsempfehlungen für die Mobilitätsforschung dar, die zu einer künftigen Einreichung eines kooperativen F&E Projekts führen sollen, um konkrete Mobilitätslösungen für diese Bevölkerungsgruppe zu erarbeiten und umzusetzen.

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