Urbane Mobilitätslabore, Sondierung Urbaner Mobilitätslabore

Über Stadtgrenzen

Mobilität über Stadtgrenzen - cognitive&digital cross-border mobility mapping

Das Labor„Mobilität über Stadtgrenzen“ fokussiert auf die besonderen Herausforderungen der Gestaltung nachhaltiger Mobilität zwischen Stadt und Umland, d.h. beiderseits von Stadt-grenzen und über die Stadtgrenzen (bzw. „Landgrenzen“) hinweg. Unsere kognitiven Karten, aber auch Mobilitätspläne endenoft an den administrativen Grenzen, effektive Methoden und Prozesse zur Überwindung mentaler, institutioneller und technischer Barrieren fehlen weitgehend. Mobilitäts/Reiseauskunftssysteme gehen hingegen von einem kontinuierlichen „objektiven“ Raumkonzept aus. Das projektierte Living Lab verknüpft Methoden des kognitiven und des digitalen Mappings (Mental Maps, Akteurs-Mapping, GIS, Mobilitäts-plattformen etc.) über die Stadtgrenzen hinweg. Am Beispiel der Stadtregion Graz sollen Lösungswege erforscht werden, um Grenzen im Mobilitätsbewusstsein, im Mobilitätsverhalten und in der Mobilitätspolitik abzubauen und zu einem verbesserten Modal-Split im Stadtgrenzen überschreitenden Verkehr und zur Verringerung unnötiger Verkehrserzeugung zu gelangen. Diese Prozesse und Erkenntnisse sind im Sinne einer kooperativen Stadtregionspolitik im Raum Graz ebenso wie in anderen Stadtregionenanwendbar.

Die Wechselwirkung zwischen Mobilitätsverhalten und Mobilitätsinformation gewinnt
angesichts neuer Medien und dynamischer Änderung des Mobilitätsverhaltens zusehends an
Bedeutung. Unterschiedlichste Arten von Auskunftssystemen (vom Fahrplanaushang an der
Haltestelle bis zum dynamischen Routenplaner) haben zum Ziel, das persönliche
Mobilitäts-verhalten der Verkehrsteilnehmer zu beeinflussen (zu „optimieren“). Umgekehrt
werden aus dem tatsächlichen Mobilitätsverhalten Informationen generiert oder Muster
abgeleitet, die wiederum als Grundlage für Planungs- und Informationssysteme dienen.
Was dabei nicht beachtet wird: herkömmliche Mobilitätsinformation und persönliches
Mobilitätsverhalten folgen komplett unterschiedlichen Mustern.

Der Status Quo aktueller Informationsmedien zur Mobilität ist – vor allem auch durch die
fortschreitende digitale Vernetzung – zunehmend technikorientiert. Das individuelle
Mobilitätsverhalten ist aber auch stark von einer emotionalen, teils unbewussten
Steuerungsebene beeinflusst, die wesentlich schon am Beginn der Wegekette zur Auswahl
bestimmter Mobilitätsformen beiträgt. Zentral für das Mobilitätsverhalten ebenso wie für die
Motivation von EntscheidungsträgerInnen Maßnahmen zur Mobilität zu setzen sind dabei die
Wahrnehmungen und Vorstellungen der regionalen Mobilitätsangebote und -bedürfnisse,
d.h. die mentalen Landkarten, die jede/r mit sich bringt, über die aber wenig kommuniziert
wird und die nicht oder kaum in die Gestaltung der Mobilitätsinformation einfließt. Während
beispielsweise ein/e einzelne/r VerkehrsteilnehmerIn überlegt, wie er/sie unter seinen/ihren
persönlichen Rahmenbedingungen den Tagesablauf gestaltet, welche Orte er/sie aufsucht, aus welchen Überlegungen heraus er/sie den einen Ort einem anderen bevorzugt, nach welchen sehr individuellen Kriterien er/sie seine Wege plant, etc., reduzieren Informations-systeme ihr Angebot auf die Beantwortung der Frage, wie ich am schnellsten von der Quelle zum Ziel gelangen kann. Die Folge ist, dass der/die VerkehrsteilnehmerIn gezwungen wird, seine/ihre persönlichen Überlegungen zum Mobilitätsverhalten immer auf ein „A nach B“ zu reduzieren, erst dann kann er/sie auf eine – zwar technisch korrekte, aber vielleicht für ihn in seiner aktuellen Situation nicht unbedingt „passende“ (weil ohne Berücksichtigung der kognitiven Ebene) – Unterstützung durch ein Informationsportal hoffen. Diese Diskrepanz führt insbesondere zur Herausforderung der Gestaltung nachhaltiger Mobilität zwischen Stadt und Umland, d.h. beiderseits von Stadtgrenzen und über die Stadtgrenzen (bzw. „Landgrenzen“) hinweg. Unsere kognitiven und digitalen Mobilitätslandkarten, Mobilitäts-plattformen und Mobilitätspläne enden oft an den administrativen Grenzen. Effektive Methoden und Prozesse sowie Best-Practice zur Überwindung mentaler, institutioneller und technischer Barrieren fehlen weitgehend.

Es stellt sich daher die Notwendigkeit, dass sich die Technik den Anforderungen und
Möglichkeiten des Menschen anpasst oder zumindest substanziell annähert. Die
Mobilitätsinformation muss sich stärker an den kognitiven Fähigkeiten des Menschen
orientieren. Das projektierte Living Lab verknüpft Methoden des kognitiven und des digitalen
Mappings (Mental Maps, Akteurs-Mapping, GIS, Routenplaner und andere Mobilitätsplatt-formen, etc.) über die Stadtgrenzen hinweg. Am Beispiel der Stadtregion Graz sollen Lösungswege erforscht werden, um Grenzen im Mobilitätsbewusstsein, im Mobilitätsverhalten und in der Mobilitätspolitik abzubauen. Ziel ist insbesondere, zu einem verbesserten Modal-Split im Stadtgrenzen überschreitenden Verkehr und zur Verringerung unnötiger Verkehrserzeugung zu gelangen. Die Prozesse und Erkenntnisse des„ Mobilitätslabors über die Stadtgrenzen“ sollen im Sinne einer kooperativen Stadtregionspolitik für andere Stadtregionen umsetzbar sein. Diese Aufgabenstellung zu bewältigen und innovative Lösungsansätze zu entwickeln beziehungsweise zu evaluieren ist Motivation für das Living Lab „Mobilität über Stadtgrenzen“.

zurück