Gütermobilität, MdZ 5. Ausschreibung (2014)

Go2PI

Umsetzungswege zum Physical Internet

Auf Basis eines realenösterreichischen Industrie-Beispiels werden sowohl technische als auch informations- und prozesstechnische Kriterien und Guidelines für die Entwicklung eines neutralen und offenen Geschäftsmodells der Distributionslogistik entwickelt. Dabei wird der Einsatz zukünftiger Lade- und Transportmittel sowie zukünftiger IKT des Physical Internets (PI) postuliert und ein Entwicklungspfad zu PI-Services konzipiert.

In Österreich und in der Europäischen Union steht der Logistik-Sektor, der an die 14 % zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, vor ständig wachsenden Herausforderungen. Die anhaltenden Megatrends zum Versandhandel, zur voranschreitenden Urbanisierung und die Auswirkungen der Initiative Industrie 4.0 fordern zukünftig eine höhere Effizienz in der Distribution bei gleichzeitig nachhaltiger Reduzierung von Emissionen. Durch die enge Verwobenheit von Produktion und Logistik muss sich der Logistiksektor entlang diesen aktuellen und zukünftigen Entwicklungen weiterentwickeln, um einen Beitrag zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit Europas zu leisten.

Das Konzept des "Physical Internet" (PI) ist jener Forschungsansatz, der diesen Anforderungen auch bei steigenden Güterströmen langfristig entspricht und in mehreren strategischen Entwicklungsprojekten nordamerikanischer und europäischer Initiativen verfolgt wird. Um vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen, spielen standardisierte, modulare Ladeund Transporteinheiten (s.g. PI-Boxen, die auch untereinander und mit der Logistik- Infrastruktur kommunizieren können), Shared Assets (z.B. firmenübergreifend gemeinsam genutzte Knoten und Kanten in Transportnetzwerken) und neue Dienstleistungen bzw. Logistik-Geschäftsmodelle eine entscheidende Rolle. Allerdings wird sich der Übergang von bestehenden technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen und Branchen-standards zu den neuen Idealen nur langfristig und schrittweise umsetzen lassen.

Die Sondierung „Go2PI“ untersucht daher anhand eines realen österreichischen Industrie- Beispiels mögliche schrittweise Auswirkungen, Veränderungen, Chancen und Risiken einer zukünftigen Distributionslogistik nach Vorbild des Physical Internets. Dabei werden sowohl technische als auch informations- und prozesstechnische Kriterien und Guidelines für die
Entwicklung eines neutralen und offenen Geschäftsmodells der Distributionslogistik erarbeitet.

Zur Operationalisierung der Sondierung werden die in ihrer Gesamtheit sehr breit angelegten PI-Zielsetzungen auf drei zu betrachtende Kernbereiche reduziert, die wie folgt lauten:
Füllgradoptimierung, kooperatives Nutzen von Ressourcen und die dazu notwendigen Daten- und Geschäftsmodelle.

Die beiden Forschungspartner FH-OÖ/Logistikum und ITL/TU Graz werden gemeinsam mit dem Unternehmenspartner Satiamo die Eigenschaften, Frequenzen, Volumina, und Randbedingungen vorhandener Distributionsströme des Industriepartners Aspöck derart beispielshaft analysieren, dass verallgemeinerbare Prozessmodelle, Funktionalitäten,
Logistik-Services und Kostenstrukturen für zukünftige PI-Umsetzungen abgeleitet werden können. Das Projekt „Go2PI“ soll somit insbesondere schließbare Lücken zwischen zukünftigen PI-Szenarien und dem Jetztstand identifizieren, sowie kurz- und mittelfristige Maßnahmen zur Anpassung der gegenwärtigen Distributionslogistik in Richtung PI definieren, Risiken und Chancen bewerten und final weiter offene Forschungsfragen formulieren.

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