Personenmobilität, MdZ 6. Ausschreibung (2015)

FamoS

Fahrradverkehrsmodelle als Planungsinstrument zur Reorganisation des Straßenraums

Um aktive Mobilitätsformen gezielt zu stärken, gilt es, den Straßenraum in räumlicher und zeitlicher Hinsicht optimal an die Bedürfnisse aktiver Verkehrsteilnehmer anzupassen. Für die Planung und (Re-)Organisation öffentlicher Räume müssen geeignete Daten zu diesen Nutzergruppen sowie innovative Planungstools verfügbar sein. Der Radverkehr nimmt unter den aktiven Mobilitätsformen insbesondere in Städten eine zentrale Rolle ein. Bisher fehlen jedoch belastbare Daten zur räumlichen und zeitlichen Verteilung des Radverkehrs, genauso wie entsprechende Analyse-, Planungs- und Simulationswerkzeuge. Methoden bzw. Werkzeuge zur Aktivierung von Verlagerungspotentialen auf das Fahrrad, die für unter-schiedliche Einsatzzwecke praktikabel und kostengünstig sind, weisen noch signifikante Defizite auf. Dieser Umstand ist insofern bemerkenswert, als dass in den vergangenen Jahren in nahezu allen Städten Österreichs und Europas der Radverkehr und dessen Förderung einen wahren Boom erlebten. Vergleichsweise hohe Summen werden in den Ausbau der Radinfrastruktur (Radwege, Abstellanlagen, Verleihsysteme usw.) und begleitende Informationsangebote (Routingportale, Radverkehrsberatung, Kampagnen usw.) investiert, ohne dass zuverlässige Belastungsinformationen zum Radverkehrsaufkommen auf einzelnen Wegsegmenten vorhanden sind. Dadurch ist weder eine konsistente Evaluierung des Ausgangszustands noch eine Abschätzung der Wirksamkeit von Maßnahmen möglich.

Ziel des Projekts „FamoS“ ist es daher, ein multimodales Simulationswerkzeug zur Analyse und Prognose der Radverkehrsnachfrage als Planungsinstrument, insbesondere bei der (Re)organisation des Straßenraums zu entwickeln. Als Datengrundlagen werden bestehende Datenquellen (z.B. GIP, Smartphonedaten, Mobilitätsdaten, Zähldaten) verknüpft und erweitert. Für die Simulation und Integration des Radverkehrs im Gesamtverkehrssystem kommen innovative Modellierungsansätze zum Einsatz. Mit verschiedenen methodischen Ansätzen wird ein multimodales Simulationswerkzeug konzipiert und anhand geeigneter Qualitätskriterien evaluiert. Die Erweiterung bereits verfügbarer Modellierungssoftware ermöglicht eine streckenfeine Beurteilung der Radverkehrsnachfrage und deren Einflussparameter, sowie eine erweiterte Analyse und Abbildung der Verkehrsmittelwahl und Routenwahl im Radverkehr. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Gestaltung der Radverkehrsinfrastruktur und deren Wechselwirkungen auf das Verkehrsverhalten der Nutzerinnen und Nutzer.

Das konzipierte Simulationswerkzeug soll als Planungsinstrument zur Reorganisation des Straßenraums prototypisch für Anwendungsfälle in den Beispielstädten Graz und Salzburg realisiert werden. Mit diesem Tool werden eine verkehrsmittelübergreifende Beurteilung von Planungsmaßnahmen und eine zielgerichtete Förderung des Radverkehrs ermöglicht. Das entwickelte Planungstool soll in weiterer Folge für Städte ähnlicher Siedlungsstruktur und Größe übertragbar sein.

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