Personenmobilität, MdZ 6. Ausschreibung (2015)

Demenz in Bewegung

Demenz in Bewegung. Studie und Handlungsempfehlungen für demenzfreundliches Unterwegssein im öffentlichen Verkehrssystem

Ausgangssituation und Motivation

Aktuell leben in Österreich rund 130.000 Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen. Der Großteil der betroffenen Personen (80%) lebt zu Hause. Bei Personen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen kommt es zu einem fortschreitenden Prozess des Rückzugs aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, welcher mit einer Reduktion ihrer außerhäuslichen Mobilität einhergeht. Diese ist jedoch zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe von Menschen mit demenziellen Beeinträchtigungen.

Grundlagenwissen zu außerhäuslicher Mobilität von Menschen mit Demenz im großstädtischen Bereich in Österreich fehlt. Die Verbindung von technischen Lösungen mit der Erfassung der emotional-sozialen Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen sowie Usability Studies für technische Unterstützungssysteme für Menschen mit Demenz hat bisher noch nicht stattgefunden. Sowohl bei Planungswissenschaften als auch BetreiberInnenorganisationen des öffentlichen Verkehrs besteht daher hoher Bedarf an Bewusstseinsbildung, Wissensgenerierung und Ansätzen für konkrete, Orientierung stiftender Gestaltungsmaßnahmen.

Ziele und Innovationsgehalt

In einer Zusammenarbeit zwischen IFF– Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik, Universität Klagenfurt, Wien, Graz, dem Büro für nachhaltige Kompetenz, Wien, Caritas Socialis, Wien und den Wiener Linien verfolgen wir vor diesem Hintergrund folgende Ziele:
-) Alltagsgeschichten zur außerhäuslichen Mobilität von körperlich mobilen Menschen mit Demenz durch partizipatives, qualitatives Forschen mit der heterogenen Gruppe der „Menschen mit Demenz“ und ihren An- und Zugehörigen erforschen.
-) Userzentrierte Usability Studies mit bestehenden Technologien im Bereich der Verkehrsinformation bzw. informationsbasierten Technologien für die Zielgruppe „Menschen mit Demenz“ mit Fokus auf öffentliche Verkehrsmittel durchführen.
-) Handlungsempfehlungen auf Basis der zweiteiligen Grundlagenstudie (Alltagsgeschichten&Usability Study) für die Anwendung und Nutzung der Erkenntnisse für relevante Stakeholder verfassen.

Methoden und Angestrebte Erkenntnisse

Mittels Fallstudien, im Rahmen derer narrative Interviews, Fokusgruppen und teilnehmende Beobachtungen erfolgen, soll der Bewegungs-Alltag von Menschen mit Demenz in „demenzfreundlichen Bezirken“ (3. und 23. Bezirk) erforscht werden. Bereits auf dem Markt verfügbare technische Unterstützungsinstrumente sollen darauf aufbauend im Rahmen von „Usability Studies“ mit Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen auf ihre Alltagstauglichkeit hin überprüft werden. Unter Einbezug der Projektumwelten werden schließlich Handlungsempfehlungen für eine demenzfreundliche verkehr- und raumplanerische Praxis sowie eine Informationsbroschüre für Personen- und Berufsgruppen im alltäglichen Umfeld von Menschen mit Demenz entwickelt.

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