ways2go, 1. Ausschreibung (2008)

BikeCount

Technologien und Wege zur Etablierung einer bundesweiten Datenbasis zum Radverkehrsaufkommen (Erfassung, Vernetzung, Datenhaltung, Datennutzung)

Die Datenlage zum Radverkehrsaufkommen in Österreich ist sehr lückenhaft. Vorliegende, dezentral gehaltene Informationen unterscheiden sich stark in Erfassungsmethodik/ –schärfe sowie Bezugszeitpunkt/ -zeiträumen und weisen nur geringe Flächendeckung auf. Für zielgerichtete, effiziente Planung und Maßnahmenevaluierung fehlen aufgrund dessen oft wichtige Inputs. Ziel ist daher ein Konzept zur Etablierung einer bundesweiten Datenbasis zum Radverkehrsaufkommen. Dabei sollen Anforderungen aus verkehrsplanerischer und verkehrspolitischer Sicht festgehalten, vorhandene und künftige Erfassungstechnologien berücksichtigt, inhaltliche/technische Schnittstellen zur Vernetzung definiert, sowie unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit ein konkretes Modell für Datenhaltung und gemeinsame Nutzung durch PlanerInnen und MaßnahmenträgerInnen entwickelt werden.

Ausgangslage: Problem / Fragestellung / Handlungsbedarf
Umfassende (räumliche und zeitliche Kontinuität) und spezifische Informationen zu Verkehrsgeschehen und -entwicklung stellen eine wichtige Voraussetzung für effiziente und zielgerichtete Verkehrspolitik und -planung dar. Zum KFZ-Verkehr werden Daten gesammelt, wobei hier noch erhebliche Mängel hinsichtlich
Zusammenführung und Nutzung für Planung und Evaluierung bestehen (1).
Betreffend VerkehrsteilnehmerInnen des Umweltverbundes insbesondere Radverkehr ist die Datenlage weit eingeschränkter. Abgesehen von einzelnen, z.T schon lange zurückliegenden Stichtagserhebungen für ausgewählte Querschnitte bzw. vereinzelten Dauerzählstellen (in einigen Landeshauptstädten und einzelnen Tourismusdestinationen), sind hier praktisch keine Daten (v.a. keine Zeitreihen) verfügbar. Die wenigen vorhandenen Informationen sind aufgrund von Unterschieden in Erfassungsmethodik (Stichtagserhebung, Hochrechnung
aus Mobilitätsbefragungen, Dauerzählstellen), Auswertung, Datenstruktur bzw. mangelnden Wissens über ihre Existenz nicht (oder kaum) vergleich- bzw. zusammenführbar(2). Der Radverkehr ist bei den „Aktivitätenwegen“ (hier Alltagsverkehr und Tourismus) sowohl qualitativ aufgrund seines Potenzials für Klima-/Umweltschutz und Ressourcenschonung als auch quantitativ (Modal Split) von steigender Bedeutung. Für eine verkehrsplanerisch sinnvolle und politisch gewünschte Forcierung mittels entsprechender Initiativen, zielgerichteter
Planungen und Maßnahmenumsetzungen (inkl. effizienter Evaluierung) stehen
aber die dringend erforderlichen Aufkommensdaten nicht zur Verfügung(3).
Ziele und Ergebnisse des Projektes Ziel des vorliegenden Projektes ist es, Möglichkeiten zur Schaffung einer umfassenden Datenbasis zum Radverkehrsaufkommen in Österreich – als wichtige Grundlage für die
Verkehrspolitik und Verkehrsplanung - zu untersuchen und Vorarbeiten für eine Umsetzung/Realisierung zu leisten. Dies soll in folgenden Arbeitspaketen erfolgen:

o AP 1: Definition von Anforderungen an Erfassungssystem und Datenbasis: Auf
Basis der Erfordernisse von Verkehrsplanung und Verkehrspolitik erfolgt eine klare
Definition inhaltlicher (erfasste Informationen, räumliche und zeitliche Auflösung, ...) und administrativ/politischer Anforderungen (die Einbeziehung ausgewählter Einrichtungen/Gebietskörperschaften ist vorgesehen) an Zähleinrichtungen und Datenbasis.

o AP 2: Recherche Status Quo (Frequenzdaten und Erfassungstechnologien): Dazu ist (in enger Abstimmung mit Anwendern und Herstellern) eine umfassende und detaillierte Erhebung der aktuellen Datenlage zum Radverkehr sowie bereits im Einsatz befindlicher und in Aussicht stehender Erfassungs- und Datenhaltungstechnologien vorgesehen. Hinsichtlich der technologischen Lösungen zur Erfassung von Radfahrerfrequenzen existieren unterschiedliche Ansätze und (z.T. noch prototypische) praktische Anwendungen (4). Hier soll ein umfassender Überblick über den Markt gegeben und eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Systeme (Technik, Kosten, Realisierbarkeit, Datenschutzproblematik) erfolgen. Die Entwicklung bzw. der Entwurf neuer Technologien zur Datenerfassung ist im Zuge dieses Konzeptes explizit nicht vorgesehen.

o AP 3: Empfehlungen zu Datenschnittstellen, Datenhaltung und –erfassungsdichte:
Aufbauend auf den vorangegangenen Arbeitspaketen wird ein konkreter Ansatz zur Zusammenführung vorhandener Informationen bzw. deren Ergänzung durch zusätzliche Informationen entwickelt. Dafür werden einheitliche methodische, inhaltliche und technische Schnittstellen für die Erfassung weiterer und Zusammenführung bestehender Daten (z.B. Dauerzählstellen einiger Landeshauptstädte) definiert, und ein innovatives technisches (administratives) Modell zur Datenübermittlung und zentralen Datenhaltung und -wartung entworfen. Darüber hinaus wird der inhaltliche und räumliche Zielzustand der Erfassungsdichte (erlaubt annähernd flächendeckende Rückschlüsse)
festgelegt und daraus der Ergänzungsbedarf im Erfassungsnetz abgeleitet.

o AP 4: Entwurf Trägermodell, Abschätzung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit:
Aufbauend auf diesen Empfehlungen werden unter Einschätzungen zu den finanziellen Erfordernissen und Berücksichtigung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit einer gemeinsamen Nutzung durch PlanerInnen und MaßnahmenträgerInnen Empfehlungen zu Zuständigkeiten, Organisationsmodell und Trägerschaft entwickelt. Die Einbeziehung potenzieller Träger bzw. Betreiber ist vorgesehen.

o (AP 5: Projektmanagement) Nutzen und Anwendung der Ergebnisse
Aufbauend auf den Ergebnissen des Projektes könnten vorhandene Daten zum Radverkehrsaufkommen zusammengeführt, zielgerichtet durch zusätzliche Informationen ergänzt und allen relevanten AkteurInnen (Planung /Politik) zur Verfügung gestellt werden. Die Verfügbarkeit einer Datenbasis zum Radverkehrsaufkommen als Entscheidungsgrundlage für (Verkehrs-)Politik und Planung sowie als Evaluierungsgrundlage ist im öffentlichen Interesse. Die gemeinsame Nutzung (PlanerInnen / MaßnahmenträgerInnen) einer solchen
umfassenden Datenbasis ermöglicht eine effizientere Förderung des nachhaltigen
Verkehrsträgers „Radverkehr“, und bietet ein hohes Potenzial zur Ableitung von
Erkenntnissen über Zusammenhänge im Wirkungssystem Verkehr. Neben diesem volkswirtschaftlichen Wert könnte durch entsprechende Geschäftsmodelle
der Datennutzung auch eine zumindest teilweise wirtschaftliche Tragfähigkeit erreicht werden (5). Durch eine Vernetzung der vorliegenden Informationen und die Entwicklung von Rahmenbedingungen für die zukünftige Etablierung der Datenbasis wird außerdem die bundesweite Vernetzung der AkteurInnen in Verkehrspolitik und -planung unterstützt.
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(1) Neumann, Grafl 2007: A.Neumann, W.Grafl; „Bewirkt der Einsatz von Verkehrstelematik eine Evolution in der Verkehrsdatenlage?“ in: Straßenverkehrstechnik 12. 2007; S 613-619.
(2) Dies zeigt sich z.T. in kursierenden „Kennzahlen“ zum Radverkehrsaufkommens (bzw. dessen Entwicklung) die oft auf verschiedensten Hochrechnungen basieren bzw. deren Quellen kaum nachvollziehbar sind.
(3) bzw. fehlt in manchen Fällen einfach die Information darüber, dass bzw. wo solche Zahlen verfügbar sind!
(4) Zur Datenerfassung können grundsätzlich verschiedenste Technologien zur Anwendung kommen. Diese reichen von Erhebungen mit Zählpersonal über die Errichtung von radar-, induktions- bzw. videobasierten Dauerzählstellen bis zur möglichen Auswertungen von Mobilfunkdaten (bzw. Erfassung von Bluetooth Geräten).
(5) insbesondere auch im Hinblick auf diese wirtschaftliche Komponente erscheint die Einbeziehung des touristischen Radverkehrs von großer Bedeutung

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