ways2go, 1. Ausschreibung (2008)

EHike

Entwicklung eines Konzepts für Autostoppen auf der Basis moderner Kommunikationstechnologie

Autostoppen ist eine bislang vernachlässigte Option zur Erhöhung des Besetzungsgrads von Pkws. Herkömmliche (internetbasierte) Mitfahrbörsen sind an die Nutzung eines Computers gebunden und ermöglichen kein spontanes (<5 Minuten) Finden einer Mitfahrgelegenheit.
Das Projekt entwickelt ein Konzept für eine modernisierte Variante des Auto-Stoppens unter Zuhilfenahme eines „elektronischen Daumens“. Gemeint sínd moderne Kommunikationsmittel („Nomadic Devices“ = Mobiltelefon, Palmtop, GPS-System), die im
Gegensatz zu Computern ohnehin meist mitgeführt werden und eingeschaltet sind.
Autostopp-NachfragerInnen („EHiker“) und AnbieterInnen („EDriver“) werden so auf
unkomplizierte und sichere Weise zusammengebracht („Matching“).
VerkehrsteilnehmerInnen in Regionen mit schwach ausgebautem öffentlichem Verkehr
werden mobiler, ohne zusätzliche Fahrzeuge einsetzen zu müssen. Die Nutzung im Alltag
vertrauter Geräte senkt die Nutzungsbarriere des Autostoppens und hebt das Image dieser Verkehrsvariante.
Das Konzept umfasst Entscheidungs- und Designgrundlagen, die die Implementierung eines derartigen Systems „EHike“ vorbereiten. Zentrale Aufgabe ist die Untersuchung technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Fragen sowie von Fragen der Nutzerakzeptanz.

Ausgangslage
Geringe öffentliche Verkehrsanbindung ländlicher Regionen
In ländlichen bzw. dünn besiedelten Regionen sind Wegstrecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln häufig nur schwer in akzeptabler Zeit oder zu gewünschten Tageszeiten zu bewältigen. Prinzipielle Alternativen zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind:
• Benutzung des eigenen Fahrzeugs (Pkw, Fahrrad, Mofa, Motorrad);
• Mitfahrmöglichkeit bei Freunden, Bekannten oder Verwandten;
• Inkaufnehmen von (langen) Fußwege;
• Nutzung von Mitfahrbörsen;
• klassisches „Autostoppen“.

Bestehende Lösung „Mitfahrbörsen“
Die elektronisch unterstützte Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten ist derzeit über eine Vielzahl elektronischer Mitfahrbörsen im Internet möglich. Einige Systeme sind sogar in öffentliche Verkehrsunternehmen eingebunden, wie das Fahrgemeinschaftsvermittlungssystem „compano“ des Verkehrsverbundes Ostregion (www.compano.at, Knapp 2006). Derartigen Lösungen fehlt die Möglichkeit, spontan und vor Ort (Stärken des Autostoppens) nach einer Mitfahrgelegenheit zu suchen. Es bedarf einer wesentlichen Vorlaufzeit bzw. Planung. Erst Systeme, die auf der Basis moderner Kommunikationsmittel (Mobiltelefon, Palmtop, GPS-System) arbeiten, ermöglichen ein minutenschnelles Finden von Mitfahrgelegenheiten.

„Dornröschen“ Autostoppen
Autostoppen in seiner traditionellen Form wird von vielen VerkehrsteilnehmerInnen in Industrieländern als nicht salonfähiges bzw. den anderen Mitteln gleichwertiges Verkehrsmittel betrachtet(1). Mit AutostopperInnen werden häufig subkulturelle Stereotypen wie Tramper oder „Hippies“, assoziiert. Sicherheitsbedenken sowohl auf Seite der AutofahrerInnen („wer steigt zu?“) wie auf der Seite der AutostopperInnen („wem vertraue ich meine Sicherheit an?“) stehen im Vordergrund. Andererseits läge in der erhöhten Auslastung von Fahrzeugen ein großes Potenzial („Dornröschen“-Charakter).

Herausforderungen im Projekt
Nicht-technische Herausforderungen:
• Entwicklung einer Lösung für die klassischen Akzeptanzschwierigkeiten des Autostoppens: Berücksichtigen von Sicherheitsbedürfnissen; Aufbau von Vertrauen in das System, innerhalb einer tolerierten Zeitspanne einen Partner zu finden (Matching EHiker « EDriver)
• Rechtliche Fragestellungen, z. B. zum Thema Datenschutz (Broadcasting von Personenstandorten) oder versicherungsrechtliche Aspekte Technische Herausforderungen;
• Grunddesign inkl. Ablaufschemata des „Partner-Matchings“ (EHiker « EDriver), also u. a. Klärung der Frage, wer welche Informationen wann an wen gibt (siehe Abb. 1, S. 6) inkl. Echtzeitproblematik.
• Technische Implementierung des Partner-Matchings in die Protokolle gängiger Kommunikationsgeräte (Mobiltelefon, Palmtop, GPS-System, Internet)
• Technisch-wissenschaftliche Ziele: Neuheit im Vergleich zum Stand der Technik, Innovationsgehalt, angestrebte Ergebnisse, technischen oder funktionalen Neuheitsgrad
Ziele
• Entwicklung eines Konzepts für eine High-Tech-Variante des Autostoppens (-> „EHike“) unter Einbindung moderner, dem Nutzer bereits aus der Alltagsanwendung vertrauter Kommunikationsmittel wie Mobiltelefon, Palmtop, GPS-sensitive-Geräte.
• Erstellung von Entscheidungs- und Designgrundlagen für die Implementierung eines derartigen Systems unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Aspekte.
• Vorbereitung eines Folgeprojekts zur Umsetzung des entwickelten Designs Innovationsgehalt

Der wesentliche Unterschied zu traditionellen (mittlerweile meist internetbasierten) Mitfahrbörsen besteht in der Spontaneität bzw. der kurzen Zeitspanne (Zielvorstellung <10 Min.) des Matchings, also zwischen der Entscheidung, per Autostopp an ein Ziel gelangen zu wollen und dem Finden eines Mitnehmenden. Das System ist weder an einen Computer noch an einen Internetzugang oder das Einloggen in eine Website gebunden. Das ohnehin eingeschaltete Mobiltelefon in der Hand des/der Suchenden wird zum „elektronischen Daumen“ des Autostoppers. Es reicht die Eingabe des Fahrziels seitens des EHikers im Mobiltelefon als SMS. EDriverInnen (einmal-registrierte SystemteilnehmerInnen) werden über Mobilfunk in Sekundenschnelle informiert, und können ein Anbot abgeben (Zeitbandbreite, Vergütung, Abfahrts- und Zielortsbandbreite) – vgl. Systeme aus der Taxibranche. Informationen über die Vertrauenswürdigkeit der beteiligten Personen (bisherige Zufriedenheit mit dem Verhalten von EHiker/EDriver) werden über ein Bewertungssystem verwaltet, das ebenfalls über die mobilen Kommunikationsgeräte zugänglich ist.

Nach eingehender Literaturrecherche des Antragstellers inkl. Expertengesprächen (z.B. VCÖ, Programm „NewRide“ in der Schweiz) wurde ein vergleichbares System bislang weder untersucht noch entwickelt.
o Additionalität, wo erfolgt der Einsatz der Ergebnisse? Konkreter Nutzen?
Die Projektergebnisse liefern die Grundlage für die spätere Umsetzung eines derartigen Systems (-> Folgeprojekt) mit VertreterInnen der folgenden Sektoren: Mobilfunk-NetzbetreiberInnen, HerstellerInnen von Navigationssystemen, auf Kommunikationsanwendungen spezialisierte Software-Firmen. Nach Möglichkeit werden in einem derartigen Projekt auch öffentliche Verkehrsunternehmen und ihre entsprechenden Initiativen eingebunden (siehe Initiative „Compano“ des VOR) werden.

Nutzen eines implementierten Systems EHike:
• für Suchende und Anbietende einer Mitfahrgelegenheit: niederschwelliges, einfach zu bedienendes, flexibles, sicheres Vermittlungssystem für die Bewältigung von Wegstrecken
• Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Entlastung von Straßen (der durchschnittliche Besetzungsgrad von PKWs im Arbeitspendelverkehr beträgt nur 1,078!, (Knapp 2006)).
________________________________________________
(1) basierend auf Experten-Interviews im Vorfeld der Antragstellung.
Literatur:
Knapp David (2006): Fahrgemeinschaften: Öffentlicher Verkehr der (fast) nichts kostet?, in:
Newstix, Das Informationsportal für den Öffentlichen Personenverkehr

zurück