ways2go, 2. Ausschreibung (2009)

Step by Step

Gruppenspezifisches Verhaltens- und Simulationsmodell auf der Grundlage von Telematikerhebungen

Personen mit Mobilitätseinschränkungen werden in der Verkehrsplanung derzeit nicht entsprechend ihren Bedürfnissen berücksichtigt. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Verkehrssimulationsmodells, das unterschiedliche Gruppen Mobilitätseingeschränkter in ihrem spezifischen Verkehrsverhalten in die Planung einbezieht. Dazu wird das Routenwahlverhalten mit einer neuartigen digitalen Erfassungstechnologie analysiert.

Das Verkehrsverhalten von Personen mit Mobilitätseinschränkungen wurde bisher in städtischen Bereichen nicht ausreichend untersucht. Es fehlen differenzierte Verkehrsdaten über das Verkehrsaufkommen, die Wegewahl und die Verkehrsmittelbenützung nach unterschiedlichen Randbedingungen und Behinderungsgruppen. Eine behindertengerechte Berücksichtigung dieser Personen in Verkehrsmodellen ist derzeit nicht in ausreichender und kleinräumiger Weise möglich. Mit einem speziellen digitalen Erfassungssystem über GPS werden reale Wege von Personengruppen mit unterschiedlicher Mobilitätseinschränkung und spezifische mobilitätsbezogene Problembereiche von Behinderten erfasst und für ein Planungsmodell aufbereitet (Strecken- und Knotenbezogen). Unterschiede zwischen Behinderungsarten (insb. Seh- und Gehbehinderte) werden registriert und ergänzende Tiefeninterviews durchgeführt. Daraus werden die Parameter und Algorithmen abgeleitet, die diese Berücksichtigung erst möglich machen.
Projektziel ist die Erarbeitung eines Verkehrsmoduls als Ergänzung zu verfügbaren
Verkehrsmodellen (vorgesehen sind Visum und Vissim) für den Einsatz bei neuen oder bestehenden Raum- und Verkehrsstrukturen auf verhaltensorientierter Basis.
Die Teilnahme des Kriegsopfer- und Behindertenverbandes (KOBV) und der Stadtgemeinde Baden bei Wien als beratende Partner und Unterstützer des Feldversuches in der Analysephase garantiert eine gezielte Berücksichtigung der Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Personen sowohl bei der Entwicklung des Verkehrsmoduls als auch bei der weitergehenden Umsetzung von verkehrsplanerischen Maßnahmen. Die Zusammenarbeit mit wesentlichen Beteiligten gewährleistet eine hohe praktische Relevanz des Projektes. Es wird auch der Einfluss der Qualität der Verkehrsanlagen auf die Wegehäufigkeit geprüft. Das vorgesehene Modul unterstützt die wesentlichen Verkehrsplanungsschritte wie Verkehrsaufkommen, Verkehrsverteilung, Verkehrsumlegung und Verkehrsmittelwahl. Aus den Verkehrsumlegungen (Bestandskalibrierung, Panfälle) ist die unterschiedliche Wegewahl von Behinderten zu erkennen. Es ist bekannt, dass blinde Personen Fußgängerzonen teilweise dann meiden, wenn aufgrund von Schanigärten oder Verkaufsbereichen vor Geschäften Gefährdungen gegeben sind, Gehbehinderte bevorzugen aber eher diese Situation. Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen werden mit dem vorgesehenen Verfahren berücksichtigt. Das entwickelte Simulationsmodell stellt ein wesentliches, anwendungsorientiertes und auch kleinräumig einsetzbares Zusatz-Verkehrsmodul als Ergänzung zu herkömmlichen Planungsmodellen (z.B. Vissim) dar. Die Innovation besteht darin, die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen Mobilitätseingeschränkter erstmals frühzeitig im Planungsprozess simulieren und in der Maßnahmenbewertung und -auswahl berücksichtigen zu können. In bestehenden Straßenräumen aber insbesondere in Planungsvorhaben werden Problemstellen für Mobilitätseingeschränkte erkannt und die Finanzmittel für die Verkehrs Infrastruktur werden gezielt und effizient eingesetzt. Wesentlicher Nutzen ist letztendlich die Erhöhung der Qualität und Sicherheit für Personen mit eingeschränkter Verkehrsmobilität.

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