ways2go, 2. Ausschreibung (2009)

CarSharing NetWorks

Tools für dezentrale Carsharing-Projekte in social networks und Smart Phones als onboard unit

Carsharing scheitert häufig am hohen Organisations- und Verwaltungsaufwand. Professionelles (zentrales) Carsharing nutzt moderne IKT, kann jedoch viele Formen des privaten und semiprofessionellen Carsharings nicht abdecken oder substituieren. Die bereits entwickelten Systeme und Prozesse eignen sich nicht.
Andererseits könnten soziale Netze (Web 2.0) Carsharing in idealer Weise unterstützen. Die gemeinsame Nutzung von Autos im Netz von vertrauten Personen ist leichter zu organisieren als über eine anonyme Organisation. Im Projekt werden Konzepte und professionelle Tools entwickelt, die auf Standardkomponenten aufbauen und moderne IKT auch für dezentrales Carsharing nutzbar macht.

Es wird davon ausgegangen, dass die Bedeutung von Carsharing für ein nachhaltiges Mobilitätssystem der Zukunft hier nicht näher erläutert werden muss. Mit der Einführung von Elektroantrieben wird Carsharing noch wichtiger (spezialisierte Fahrzeuge statt Reiselimousine à Multimodalität; höhere Fixkosten, geringe variable Kosten à effizienter Einsatz; beschränkte Reichweite à Intermodalität) Vgl. auch:

http://www.oeko-net.de/kommune/kommune-03-09/aauto.htm,
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonderthemen;art893,2730381 oder
http://www.innoz.de/pdf/innoz-baustein_05.pdf

Carsharing etabliert sich zwar in ganz Europa und den USA und neue, innovative Konzepte entstehen (vgl. Car2Go), insgesamt ist die Entwicklung jedoch weit weniger dynamisch als erhofft und erwartet. Das zentral organisierte Carsharing funktioniert sehr gut, deckt jedoch nur die Bedürfnisse von ganz speziellen Anwendungsbereichen ab. Das zentral organisierte Carsharing kann, und das ist systemimmanent, viele interessante Bereiche des Carsharing nicht abdecken.
CarSharing NetWorks nutzt sogenannte social networks, insbesondere Web 2.0-
Anwendungen wie Facebook oder XING und konzipiert eine Softwarelösung, die es erlaubt, mit Smartphones Carsharing-Tools (Reservierung und Abrechnung über Bordcomputer) unabhängig von großen Organisationen, dezentral und kostengünstig anzubieten. So können auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Carsharing-Systeme im privaten und semiprofessionellen Bereich entstehen, die auf die Vorteile moderner IKT nicht verzichten müssen und, da internetbasiert, wieder zu größeren Netzwerken zusammenwachsen können.

Warum social networks?
Web 2.0 erweitert das Word Wide Web um die soziale Komponente. In Anwendungen wie Facebook oder studiVZ bilden Internetbenutzer zunehmend ihre sozialen Netzwerke ab, tauschen sich aus und stellen ihre Fotos online.
Für viele ist das Privatauto mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand und wird nur an Vertrauenspersonen verliehen. Darum ist es aus unserer Sicht sinnvoll die sozialen Netzwerke eines jeden Benutzers auch für Mobilitätsanwendungen zu benutzen. Jeder Benutzer soll sich aussuchen können welche Personen sein Automobil nutzen dürfen.

Warum Smartphones?
Die am Markt angebotenen Bordcomputer für Carsharing sind auf zentrale Systeme
ausgerichtet und für kleine Anwendungen nicht geeignet wie folgendes Zitat aus dem Email eines Herstellers zeigt: „Das ist theoretisch schon möglich. Allerdings gibt es dazu die Prozesse nicht – und die bestehenden Prozesse zu ändern ist sehr aufwändig. Weitere Punkte: […]“

Es gibt am Markt Smartphones, die folgende Voraussetzungen erfüllen:
_ programmierbar (teilweise sogar open source Lösungen)
_ Kommunikationseinrichtungen vorhanden
_ GPS integriert
_ relativ kostengünstig
_ mehrere Anbieter – keine Abhängigkeit von einem Hersteller/Produkt
_ für Internetanwendungen gut geeignet
_ geringer Stromverbrauch

Einschränkungen gegenüber speziellen Carsharing-Bordcomputern (z.B. beim
Bedienungskomfort) werden zugunsten eines flexiblen Systems mit geringer Einstiegshürde in Kauf genommen. Neben der Hardware erfordert der dezentrale Ansatz jedoch eine völlig neue Systemarchitektur und Denkweise. Die Praxistauglichkeit dieses Ansatzes wird im Rahmen des Konzeptes untersucht, insbesondere folgende Punkte:
1. Reservierungen (über Internet) im Auto sichtbar machen
2. elektronisches Fahrtenbuch (Speicherung und Übermittlung abrechnungsrelevanter Daten)
3. Wegfahren nur mit Benutzeranmeldung (zB Codeeingabe), Sperre/Warnung bei
bestehenden Reservierungen.
4. Steuerung der Zentralverriegelung (über Chipkartenleser oder andere Identifizierung)

Im Projekt wird eine Internet- und eine Smart-Phone-Applikation entwickelt, die jedenfalls die ersten zwei Punkte umfassen. Die Reservierungslogik bzw. –vereinbarungen (zB. instant access, open end), Tarifstruktur, Sicherheit, Benutzerkreis uvm. werden nicht vorgegeben sondern sollen individuell entsprechend den Bedürfnissen des jeweiligen Carsharing-Systems angepasst werden können. Hinderliche Rahmenbedingungen für dezentrales Carsharing in social networks wie Haftung und Versicherungsfragen, Gewerbe- und Steuerrecht u.ä. werden im Konzept zwar berücksichtigt, ohne jedoch – aufgrund der Abhängigkeiten von Dritten - zufriedenstellende Lösungen versprechen zu können. Das Konzept wird nicht nur theoretisch ausgearbeitet sondern schrittweise in der Praxis getestet und systematisch verfeinert. Damit ist sichergestellt, dass eine anwendungs-orientierte Lösung entsteht.

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