ways2go, 4. Ausschreibung (2011)

GIVE&GO

Entwicklung eines ehrenamtlich organisierten individualverkehrsbasierten Mobilitätsservices

Mit GIVE & GO wird ein innovatives soziotechnisches System für jene Personen entwickelt, die selbst nicht Auto fahren und denen auch kein bedarfsgerechtes ÖV-Angebot zur Verfügung steht. Das individualverkehrsbasierte Mobilitätsservice GIVE & GO stützt sich auf das nachbarschaftliche Engagement von BürgerInnen, auf neueste technologische Lösungen (Web-Tools, Social Media) und auf persönliche Betreuung. Ziel ist die prototypische Entwicklung eines ehrenamtlich basierten Mobilitätsservices, das im Pilotbetrieb in Vorarlberg praktisch erprobt wird und anschließend als GIVE & GO Modell für andere interessierte Regionen zur Verfügung steht.

Ausgangslage und Idee
GIVE & GO ist ein innovatives, individualverkehrsbasiertes Mobilitätsangebot, welches speziell für Räume und Zeiten mit wenig attraktivem, mangelhaftem ÖV-Angebot entwickelt wird. Gesellschaftliche und demografische Entwicklungen zeigen: es wird in Zukunft mehr Menschen geben, die nicht mehr mit dem eigenen Pkw fahren können bzw. wollen. 2011 war das Jahr der Freiwilligenarbeit in Österreich – hier knüpft das Projektteam an und entwickelt ein intelligentes Mobilitätsservice auf Basis von Ehrenamt als Ergänzung im Gesamtverkehrssystem.

Ziele und Methoden
Das Hauptziel von GIVE & GO ist das Anbieten von qualitativ hochwertigen
Mobilitätsgelegenheiten für Personen (MobilitätsnachfragerInnen), die über keinen eigenen Pkw verfügen bzw. den eigenen Pkw nicht nutzen können oder wollen. Dies ist somit auch ein Beitrag zur Reduktion von Autoabhängigkeit bei Aufrechterhaltung bzw. sogar Verbesserung der persönlichen Mobilität.
GIVE & GO macht sich dafür das Potential jener Personen (MobilitätsanbieterInnen)
zunutze, die ohnehin Pkw-Fahrten bzw. auch anderer Wege unternehmen, indem es diese Personen über eine geeignete kundenfreundliche Organisationsform und der Einbeziehung von IT-Tools (Web-/ Smartphone-Apps) in Kombination mit einer „Tauschplattform“ mit den MobilitätsnachfragerInnen zusammenbringt.
Das GIVE & GO Modell trägt zudem dem Umstand Rechnung, dass eine technologische Innovation im Verkehrsbereich allein nicht erfolgversprechend ist, sondern dass es auch sozialer Innovationen bedarf. In diesem Zusammenspiel kann es gelingen, auch in das „System Mobilität“, den Gedanken der Resilienz zu tragen. Im konkreten Fall wird diese Resilienz durch folgende Komponenten erreicht bzw. thematisiert: Akzeptanz, Flexibilität durch redundante Systeme (keine Abhängigkeit vom eigenen Pkw bzw. vom ÖV), Übernahme von Verantwortung, Selbstbestimmung, Bildung von Netzwerke und
Freundschaften („Belonging“), Aktive Zukunftsplanung mit der Bereitschaft sich und sein Mobilitätsverhalten zu verändern („Transformationsbereitschaft“). GIVE & GO funktioniert auf einer, zwar entgeltfreien und non-profit, (jedoch über Guthaben für die erbrachten Leistungen wertgeschätzten) nachbarschaftlich organisierten Basis. Die in GIVE & GO eingebrachten Leistungen können dabei sowohl Fahr- bzw. Bringleistungen der MobilitätsanbieterInnen sein, wie auch andere „Nachbarschaftshilfen“, wie z.B. Rasenmähen, Kinderbeaufsichtigung, handwerkliche Hilfe u.v.m. Letztere wären gleichsam das konkrete persönliche Dankeschön von MobilitätsnachfragerInnen an MobilitätsanbieterInnen und können von diesen auch an Dritte übertragen werden. Diese beiden Rollen sind jedoch keineswegs ausschließlich oder fixiert; jede Person kann AnbieterIn und NachfragerIn sein, je nach Fähigkeit, Möglichkeit und Bedarf. Es ist zu vermuten, dass auf Seiten der MobilitätsnachfragerInnen eher jene Personen zu finden sein werden, die nicht (mehr) so flexibel oder selbstverständlich mit dem eigenen Pkw unterwegs sind (z.B. ältere oder mobilitätseingeschränkte). Dennoch steht das Mobilitätsangebot von GIVE & GO grundsätzlich allen offen – und wird und soll auch von allen anderen, so auch Jugendlichen, oder Personen, die einfach auf die Fahrt mit dem eigenen Pkw verzichten möchten – genutzt werden. Umgekehrt werden MobilitätsanbieterInnen eher jene sein, die oft mit dem Pkw unterwegs sind und dann ihr erworbenes Punkteguthaben gegen andere nachbarschaftliche Dienste der MobilitätsnachfragerInnen tauschen können (aber nicht müssen).
Give&Go ist nicht eine weitere Form von Car sharing (wie z.B. Denzel Drive) oder ein weiteres Angebot aus dem Leihwagen-Segment (wie z.B. Car2Go) und es ist auch nicht eine weitere Car-pooling bzw. Mitfahr-Plattform (wie z.B. Compano) und ebenso wenig ist es eine weitere Form des bedarfsgesteuerten ÖV (wie z.B. Anrufsammeltaxi (AST)).
Give&Go entwickelt nicht vorrangig diese separat vielfach bereits bekannten
Einzelkomponenten, sondern kombiniert diese mit anderen mobilitätsbezogenen Potentialen in einer neuartigen Organisations- und Kommunikationsplattform und mit dem Instrument einer Tauschbörse zu einem umfassenden Mobilitäts- und Diensteangebot. Dabei können die mobilitätsbezogenen Einzelkomponenten durchaus situationsbedingt verändert oder weiterentwickelt werden.
Ergebnisse und Erkenntnisse
Das Forschungsprojekt nutzt die bisherigen Grundlagen und Erkenntnisse des
interdisziplinären Kooperationsnetzwerkes und entwickelt daraus ein praxistaugliches GIVE & GO Modell, das alle Parameter für die sofortige Umsetzung von ehrenamtlichen Mobilitätslösungen beinhaltet, also das Organisationsmodell sowie die entsprechenden soziotechnischen Tools. Die NutzerInnen werden unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Bedürfnislagen aktiv in den Entwicklungsprozess eingebunden (user innovation). Als Ergebnis steht der Prototyp eines ehrenamtlich basierten Mobilitätsservices unter Einbindung
der NutzerInnen, das im Pilotbetrieb in Vorarlberg (LOI des Landes Vorarlberg liegt vor) praktisch erprobt wird und anschließend als „GIVE & GO Modell“ für interessierte Regionen zur Verfügung steht.

Informationen zu den Projektergebnissen finden Sie außerdem unter http://info.tuwien.ac.at/ivs/homepage/ oder im Band 36 der IVS-Schriftenreihe ISBN 978-3-85437-326-1.

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