Verkehrsinfrastruktur, VIF2012

Ve3

Planung von Verkehrsverknüpfungen an Verkehrsstationen

Inter- und Multimodalität stellt eine wesentliche Möglichkeit dar, die Verkehrsnachfrage kostengünstiger und umweltschonender zu befriedigen und dabei den Zugang zur Mobilität auch für Personenkreise sicherzustellen, die einen Pkw nicht selbst lenken können (oder wollen). Die Schaffung qualitativ hochwertiger Verkehrsvernetzungen von Verkehrsstationen (z.B. Haltestellen, Bahnhöfe) schafft überhaupt erst die Grundlage für Inter- und Multimodalität und verdient deshalb besonderer Aufmerksamkeit. Im Forschungsprojekt Ve³ wird ein holistischer Forschungsansatz verfolgt, der sowohl die NutzerInnen- als auch die Betreibersicht untersucht und die Kombination verschiedener Planungs- und Erhebungsmethoden (z. B. GIS, mobile computerunterstützte Befragung, Verkehrsmodell, Zählkarten) erfordert. Die Anforderungen an Verkehrsstationen variieren in Abhängigkeit der NutzerInnen(gruppen) (z.B. Männer, Frauen, mobilitätseingeschränkte Personen, PendlerInnen) erheblich. Eine Einschätzung der Zufriedenheit und Wichtigkeit einzelner Aspekte durch die NutzerInnen, die im Rahmen des Projektes empirisch erfasst werden, gibt wertvolle Hinweise, welcheMaßnahmen einen besonders großen oder geringen Nutzen erwarten lassen. Die Rollen, Interessen und Kooperation unterschiedlicher Planungsakteure (ÖBB, Gemeinden, Länder, Bund, Verkehrsverbünde, Mobilitätsanbieter etc.) werden mit Hilfe von Experteninterviews eruiert. Gegenwärtig spielen im Planungskontext von Verkehrsstation die Fußwege zur Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel eine untergeordnete Rolle. Dabei ist die Nutzerakzeptanz gerade von der Qualität dieser Fußwege (kurz, direkt, barrierefrei, sicher und bequem) und der Möglichkeiten eines angenehmen Aufenthalts (ausreichende Sitzgelegenheiten, Wetterschutz, Einkaufsmöglichkeit etc.) in der Verkehrsstation abhängig, da Fußwege und Aufenthalt in aller Regel einen erheblichen Teil der Gesamtreisezeit zwischen Ausgangs- und Zielort ausmachen. Zählungen oder die modellhafte Ermittlung von Fußgängerströmen innerhalb der Verkehrsstationen ermöglichen eine genaue Analyse, wie viele Personen von Verbesserungsmaßnahmen (z.B. Kombibahnsteige, Rolltreppen, Lifte) besonders profitieren würden. Eine nutzerInnenspezifisch angepasste und übersichtliche Gestaltung der Verkehrsstationen erhöht die Akzeptanz und ist deshalb Teil der Untersuchung. Zusätzlich wird die räumlich-funktionale Integration von innovativen Mobilitätslösungen (Ridesharing, Carsharing, Pedelecs, E-Car, Park&Ride, Bike&Ride) betrachtet. Mit Hilfe einer SWOT-Analyse wird das Vernetzungspotenzial unterschiedlicher Verkehrsstationen umfassend untersucht und bewertet. Insbesondere Erfahrungen bezüglich der Verkehrsvernetzung, räumlich-funktionalen Gestaltung und Ausstattung von Verkehrsstationen münden in die Erarbeitung eines praxisnahmen Handbuchs, welches eine standardisierte, einfache, effiziente, korrekte und akzeptierte Planungshilfe für Verkehrsverknüpfung von bestehenden und neuen Verkehrsstationen darstellt.

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