Personenmobilität, MdZ 4. Ausschreibung (2014)

RELAUT

Unzuverlässige Reisezeiten in Österreich: Ausmaß, Kosten und Wirkung

Forschungsarbeiten aus unterschiedlichen Ländern haben in den letzten Jahren aufgezeigt, dass unzuverlässige Reisezeiten hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachen. In Österreich wurden bisher weder das Ausmaß und die Kosten von unzuverlässigen Reisezeiten noch deren Auswirkung auf das Verhalten der Reisenden untersucht. Neben einemÜberblick über die internationale Literatur zu Messung, Bewertung und Effekten von unzuverlässigen Reisezeiten beleuchtet RELAUT vor allem die entsprechende Situation in Österreich. Letztere wird insbesondere anhand von österreichischen Verkehrs,- und Punktualitätsdaten und einer Befragung von NutzerInnen der österreichischen Verkehrsnetze analysiert. Abschließend wird erläutert wie die gewonnenen Erkenntnisse verwendet werden können, um eine erhöhte Zuverlässigkeit von Reisezeiten (und somit eine Verminderung der dazugehörigen Kosten) in Österreich zu erreichen.

Die volkswirtschaftlichen Kosten von unzuverlässigen Reisezeiten sind beträchtlich: Reisende erreichen ihren Zielort früher oder später als erwartet, und müssen hohe Pufferzeiten in Kauf nehmen, um mit hoher Sicherheit nicht zu spät anzukommen. Auch Firmen und Konsumenten entstehen Kosten, wenn Zwischenprodukte und Waren aufgrund unzuverlässiger Reisezeiten zu spät ausgeliefert werden. Um Unzuverlässigkeit systematisch analysieren zu können, müssen sowohl die P-Seite (P=price, Preis) als auch die Q-Seite (Q=quantity, Ausmaß) der Unzuverlässigkeit bekannt sein. Die P-Seite gibt an, wie sehr NutzerInnen des Verkehrsnetzes Zuverlässigkeit wertschätzen. Die Q-Seite definiert das Ausmaß an (Un-) Zuverlässigkeit. Zum Beispiel erhöht sich die Pufferzeit einerseits, wenn das Ausmaß an Unzuverlässigkeit steigt, und andererseits wenn der/die Reisende Unzuverlässigkeit als störender erachtet (und somit in höherem Maße gewillt ist, sein/ihr Verhalten anzupassen). Die volkswirtschaftlichen Kosten von Unzuverlässigkeit werden dann als P*Q definiert. RELAUT zeigt zum ersten Mal wie die P- und die Q-Seite der Unzuverlässigkeit in Österreich gemessen werden können. Zuerst wird eine repräsentative Befragung von 250 bis 300 Österreichern bezüglich ihrer Wahrnehmung von Unzuverlässigkeit und ihrer Reaktion darauf durchgeführt. Dazu wird eine State-of-the-Art Befragung aus den Niederlanden für den österreichischen Kontext adaptiert. Diese beinhaltet auch ein Stated-Preference Modul, in dem aus hypothetischen Entscheidungen der Befragten die Bewertung der Zuverlässigkeit (P-Seite) abgeleitet werden kann. Zur Messung der Unzuverlässigkeit (Q-Seite) werden verschiedene Datenquellen herangezogen, wie zum Beispiel Reisezeitdaten der ASFINAG und/oder der ITS Vienna Region sowie Daten der Linz Linien zu Verspätungen im öffentlichen Verkehr (ÖV). Nachdem adäquate Definitionen für die Zuverlässigkeit bestimmt worden sind, wird die Zuverlässigkeit einiger ausgewählter Streckenabschnitte und ÖV Linien berechnet. Mittels qualitativer und quantitativer Analysen werden mögliche Erklärungsfaktoren für Variationen in der Zuverlässigkeit festgestellt, wie z.B. die Tageszeit, Wochentage, Ferienzeiten oder Wetterbedingungen. Aufbauend auf einer ausführlichen Literaturübersicht, den Ergebnissen der Befragung, der Reisezeitenanalyse und 2 Experten Workshops, werden Empfehlungen für Maßnahmen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit, der Informationskanäle und der Monitoringsysteme ausgesprochen. Mehrere Mitglieder der RELAUT ARGE haben langjährige Erfahrung im Bereich der Forschung zu (Un-) Zuverlässigkeit. Insgesamt haben sie über 30 Forschungsarbeiten und Projekte zum Ausmaß, den Kosten und der Wirkung von unzuverlässigen Reisezeiten durchgeführt.

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