Verkehrsinfrastruktur, VIF2014

in-situ LSW

In-situ Verfahren zur akustischen Abnahmeprüfung und Qualitätssicherung von Lärmschutzwänden

Die schalltechnische Bewertung von Lärmschutzwänden an Verkehrswegen erfolgt derzeit lediglich durch Prüfzeugnisse nach dem Hallraumverfahren gemäß EN 1793-1 für die Schallabsorption bzw. EN 1793-2 für die Schalldämmung. Die Messungen erfolgen unter weitgehend diffusem Schallfeld, welches von allen Richtungen auf den Prüfkörper einfällt. Neben der Hallraum-Methode existiert auch die sogenannte Adrienne-Methode (neuerdings auch QUIESST-Methode), welche es gestattet, akustische Eigenschaften von Lärmschutzwänden vor Ort zu überprüfen. Diese Methode liefert allerdings, besonders in Bezug auf die Schallreflexion von der Hallraummethode abweichende Ergebnisse. Das Forschungsprojekt REFLEX (siehe Literaturliste in Kapitel 2.1.1) hat gezeigt, dass die Ergebnisse gezielter Messungen zur Schallreflexion im akustischen Fernfeld unter Direktbeschallung, welche eine messtechnische Annäherung an reale Beschallungssituationen an Straßen darstellt, deutlich näher bei den Werten der Adrienne (CEN/TS 1793-5) bzw. QUIESST-Methode liegen als Ergebnisse der Hallraummessung (EN 1793-1). Aus diesen Erkenntnissen heraus erscheint eine Überprüfung der akustischen Eigenschaften vor Ortmit einer der bereits erwähnten in-situ Methoden sinnvoll. Mit den in-situ Methoden ist es möglich, akustische Eigenschaften wie Schallreflexion und Schalldämmung von Lärmschutzwand-Elementen vor Ort gezielt zu untersuchen. Um eine Beurteilung der akustischen Gesamteigenschaften einer Lärmschutzwand tätigen zu können, ist der Schluss von Messungen an einzelnen Elementen hin zur Wandals Ganzes auf Basis statistischer Aussagen erforderlich. Diese statistischen Aussagen betreffen beispielsweise die Mindestanzahl zu untersuchender Elemente für einen bestimmten Bereich (Baulos etc.), die Schwankungen in den Ergebnissen an unterschiedlichen Elementen, die Auswirkungen der Einbauqualität (Fugendichtheit etc.) - lokal (an einzelnen Elementen) sowie global (für die gesamte Wand). Auch spezielle Situationen, wie der kombinierte Wandaufbau (z. B. Transparentelemente in Lärmschutzwänden) als auch Türen etc. sind für die Beurteilung von Interesse. Zur Erreichung des Zieles, ein Abnahmeverfahren zur akustischen in-situ Qualitätsprüfung von Lärmschutzwänden an Verkehrswegen (Straßen) zu entwickeln und dessen Einsatzmöglichkeiten zu validieren, wird auf bereits validierte in-situ Methoden (siehe dazu die Referenzprojekte Adrienne, REFLEX, QUIESST) aufgebaut. Aufgrund einer großen Basis an Messdaten wird es vorrangig von Bedeutung sein, spezielle Problemfelder, wie beispielsweise Fugen, Steher, Wandkombinationen oder Sicherheitstüren bezüglich Schalldämmung messtechnisch zu untersuchen. Für die Schallreflexionseigenschaften werden nicht nur vorliegende Daten herangezogen sondern auch eine Messkampagne durchgeführt, in der verschiedene Lärmschutzwandtypen bzw. Materialien statistisch untersucht werden. Die Ergebnisse der gesamten Untersuchung sollen als Vorschlag für die Erstellung einer RVS dienen.

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