ways2go, 1. Ausschreibung (2008)

EKoM

Emotionale und Kognitive Mobilitätsbarrieren und deren Beseitigung mittels multimodalen Verkehrsinformationssystemen

Der geringe Effekt von multimodalen Verkehrsinformationsdiensten (MVI) auf das Mobilitätsverhalten begründet sich teilweise auf unzureichenden Informationsinhalten. EKoM liefert einen auf empirischen Studien beruhenden systematischen Überblick, welche Informationsinhalte geeignet sind, um rationale und emotionale Barrieren, die einer nachhaltigen Verkehrsmittelwahl entgegen stehen, zu überwinden. MVI der Zukunft werden die rationale und emotionale Ebene der Benutzer ansprechen und dadurch stärker als bisher zu einem nachhaltigen Mobilitätsverhalten beitragen.

Alternative Wege in der Verkehrsorganisation zur koordinierten Steuerung des Gesamtverkehrsaufkommens unter Rahmenbedingungen wie verfügbare Kapazität, höchste Sicherheit und geringste Umweltbelastung sind dringend erforderlich. Der Einsatz von Verkehrsinformationssystemen bietet große Potentiale zur Lösung dieser Probleme. Die Idee dahinter ist, das individuelle Mobilitätsverhalten durch Bereitstellen von Verkehrsinformationen so zu beeinflussen, dass das Gesamtverkehrsgeschehen hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sicherheitstechnischer Aspekte optimiert wird. Der große Wandel im Mobilitätsverhalten ist bisher aber noch ausgeblieben. Als Gründe dafür werden einerseits noch nicht vollständig ausgereifte Technologien und andererseits unzureichende Inhalte genannt. Informationsinhalte dienen als Grundlage für Verhaltensentscheidungen. Entscheidungen zu Gunsten eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens stehen einige kognitiv-rationale (z.B. Zeitersparnis) und emotionale (z.B. Auto als Statussymbol) Barrieren entgegen. Grundlage bei der Entwicklung multimodaler Verkehrsinformationssysteme ist oft die Annahme, dass die Entscheidung für ein bestimmtes Verkehrsmittel auf einem rationalem Kosten-Nutzen-Kalkül basiert. Die in diesen Systemen bereit gestellten Informationsinhalte beziehen sich dann meistens auch auf Angaben zu Kosten, Zeitersparnis und einigen Bequemlichkeitsfaktoren wie z.B. Taktraten der Öffentlichen Verkehrsmittel. Dadurch können einige der oben erwähnten kognitiv-rationalen Barrieren beseitigt werden. Aber selbst wenn rationale Abwägungen gegen eine Kfz-Nutzung sprechen, gibt es emotionale Barrieren die den Umstieg verhindern. Trotz der wissenschaftlichen Belege, dass Emotionen das Mobilitätsverhalten stark beeinflussen, gibt es bislang keine Verkehrsinformationssysteme, die dieses Wissen nutzen. EKoM setzt genau an diesem Punkt an: EKoM bietet einen systematischen Überblick über kognitive und emotionale Barrieren, die die Verkehrsmittelwahl beeinflussen, und über deren Beseitigungsmöglichkeiten durch gezielte Informationsbereitstellung. Ausgangspunkt für EKoM bildet eine systematische Literaturanalyse zu psychologischen Theorien zur Verkehrsmittelwahl und zu auf diesen Theorien basierenden Interventionsstrategien. Aus dieser Analyse lässt sich eine Sammlung von kognitiven und emotionalen Barrieren, die die Verkehrsmittelwahl beeinflussen, ableiten. Aus der Literatur zu Interventionsstrategien lassen sich notwendige Informationsinhalte, die in der Lage sind, diese Barrieren zu beseitigen, extrahieren. Dabei werden gruppenspezifische Besonderheiten berücksichtigt. Aus den Erkenntnissen der Literaturanalysen wird die „Barrieren-Beseitigungs-Matrix“ entwickelt, die zum ersten Mal einen systematischen Überblick über kognitive und emotionale Barrieren, die die Verkehrsmittelwahl beeinflussen, gibt und gleichzeitig aufzeigt, welche, über Verkehrsinformationsdienste übermittelten Inhalte, gezielt gegen diese Barrieren eingesetzt werden können. Die Barrieren-Beseitigungs-Matrix ermöglicht Herstellern von telematischen Informationssystemen auf psychologischem Grundlagenwissen aufbauende, gezielte technologische Entwicklung effektiver, nachhaltig wirkender Verkehrsinformationssysteme.

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